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Gemba Walk

Zusammenfassung

Gemba bezeichnet den „eigentlichen Ort“ des Geschehens. Ein Gemba Walk ist die bewusste Entscheidung der Führungsebene, den Schreibtisch zu verlassen und dorthin zu gehen, wo die Arbeit passiert. Nur durch diese unmittelbare Beobachtung können Probleme und Optimierungspotenziale erkannt werden, die in abstrakten Berichten oder Besprechungen verborgen bleiben.

Dieses Modul beantwortet folgende Fragen:

  • Warum ist die physische Präsenz am „eigentlichen Ort“ (Gemba) für das Prozessverständnis essenziell?
  • Welche drei Grundpfeiler (Hingehen, Fragen, Respekt) machen einen Gemba Walk erfolgreich?
  • Wie lassen sich durch direktes „Erleben“ am Beispiel eines Lieferservice praxisnahe Verbesserungen ableiten?

Der Ursprung: Rückkehr zum gesunden Menschenverstand

Abschnitt betitelt „Der Ursprung: Rückkehr zum gesunden Menschenverstand“

In einer idealen Welt würde Prozessverbesserung dort beginnen, wo der Prozess gelebt wird. In der Realität versammeln sich Manager jedoch oft in Konferenzräumen, um über Abläufe zu entscheiden, die sie nie selbst gesehen haben. Gemba Walks – ein Kernkonzept des Lean Managements – brechen dieses Muster auf.

Gemba ist japanisch und steht für den Ort, an dem der Wert geschaffen wird. In einer Pizzeria ist dieses nicht das Büro des Geschäftsführers, sondern die Küche und die Lieferroute. Werden Verschwendung und Ineffizienz nur theoretisch diskutiert, bleibt die Lösung oft oberflächlich. Werden sie jedoch am Gemba beobachtet, entstehen nachhaltige Verbesserungen.

Ein effektiver Gemba Walk ist kein Kontrollgang, sondern ein Lernprozess. Er folgt klaren Prinzipien:

  1. Go See (Hingehen): Nichts ersetzt den eigenen Blick auf die Realität.
  2. Fragen stellen: Durch das Verständnis des „Was“ und „Wie“ werden Hürden sichtbar.

Nehmen wir an, wir wollen die Qualität eines Lieferservice steigern. Anstatt nur Daten zu analysieren, setzt sich die Leitung in die Bestellannahme und telefoniert selbst mit Kunden. Sie erlebt die Komplexität individueller Wünsche aus erster Hand.

Anschließend geht die Reise in die Küche. Mit Schürze statt Anzug wird beobachtet, wie die Pizza belegt wird. Hier wird deutlich, dass handwerkliche Präzision Anerkennung verdient und nicht nur Effizienzkennzahlen folgen kann.

Der wichtigste Teil folgt bei der Auslieferung: Wer im Januar selbst auf dem Motorroller Pizzen ausliefert, versteht sofort, dass gute Ausrüstung keine Kostenfrage, sondern eine Notwendigkeit für die Prozessstabilität ist. Echte Optimierung ist das Ergebnis dieser tiefen, empathischen Beobachtung vor Ort.



Patrick Roßkothen ist Experte für Prozess- und Wissensmanagement. Dieses Modul wurde zuletzt am 2026-02-21 aktualisiert.