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Definition: Geschäftsprozess (Verwaltung)

Dieses Modul definiert den Begriff des Geschäftsprozesses speziell für den Verwaltungskontext. Es klärt die zentralen Strukturmerkmale wie Kundenbezug, Auslöser und inhaltlich abgeschlossenes Ergebnis und grenzt Prozesse von bloßen Aktivitäten ab.

Dieses Modul beantwortet folgende Fragen:

  • Was definiert einen Geschäftsprozess in der öffentlichen Verwaltung?
  • Wodurch werden Prozesse ausgelöst und wann gelten sie als beendet?
  • Welche Rolle spielen Kundenbezug und Wertschöpfung?

Im Kontext der Ablauforganisation einer Verwaltung wird ein Geschäftsprozess als eine inhaltlich abgeschlossene, zeitliche und sachlogische Abfolge von Aktivitäten verstanden, die zur Erstellung einer Leistung notwendig sind.

Jeder Geschäftsprozess verfügt zwingend über zwei Ankerpunkte:

  1. Der Auslöser: Dies muss nicht immer ein externer Impuls sein (wie ein Antrag). Auch interne Entscheidungen oder Informationen, die ein Tätigwerden von Amts wegen erfordern, fungieren als Startpunkt.
  2. Das Ergebnis: Am Ende steht immer eine Leistung oder ein Produkt. Dieses wird an interne oder externe Abnehmer übergeben.
  • Kundenbezug als Strukturmerkmal: Die Anforderung steht am Anfang, die Leistung am Ende. Der Kunde ist dabei nicht immer ein externer Bürger; auch andere Abteilungen können die Rolle des Kunden einnehmen.
  • Inhaltlicher Abschluss: Ein Prozess endet erst dann, wenn ein Ergebnis vorliegt, das eigenständig nutzbar ist.
  • Organisatorische Unabhängigkeit: Der Prozessablauf orientiert sich an der Wertschöpfung, nicht zwingend an Abteilungsgrenzen.

Verschiedene Ansätze schärfen das Verständnis für die Natur von Prozessen. Gemeinsam ist ihnen der Fokus auf die Wertschöpfung und die Transformation von Input zu Output.

Der Prozess als Bündelung Innerhalb einer Verwaltung werden jene Aktivitäten zu Prozessen zusammengefasst, die in einem direkten Zusammenhang von Eingabe zu Ausgabe stehen. Sie leisten einen eigenständigen Beitrag zur beabsichtigten Gesamtwirkung der Verwaltung.

Fokus auf Anforderungen und Leistung Der Prozess beginnt mit den Erwartungen der Kunden und endet mit der Bereitstellung der gewünschten Leistung. Diese kann aus Produkten, Dienstleistungen oder einer Kombination beider bestehen.

Wertschöpfende Aktivitäten Geschäftsprozesse verknüpfen wertschöpfende Tätigkeiten oft über Funktions- und Organisationsgrenzen hinweg. Ziel ist es, die aus der Strategie abgeleiteten Prozessziele operativ umzusetzen.

Weitere Perspektiven

  • Eine Menge von Aktivitäten, die für den Kunden ein Ergebnis mit Wert erzeugen.
  • Die Kette funktional zusammenhängender Aktivitäten, die zu einem inhaltlich abgeschlossenen Ergebnis führen.
  • Eine zielgerichtete, zeitlich-logische Abfolge von Aufgaben, die arbeitsteilig von mehreren Einheiten unter Nutzung von Technologie ausgeführt wird.

Dieses Modul dient als fundamentale Basis für die Erstellung oder Überarbeitung von Prozesskatalogen. Es hilft bei der Entscheidung, ob eine Tätigkeit lediglich einen einzelnen Arbeitsschritt darstellt oder ob sie die Kriterien eines eigenständigen Geschäftsprozesses erfüllt.

Insbesondere in der Eingriffsverwaltung ist das Verständnis entscheidend, dass der “Kundenwunsch” auch abstrakt durch ein Gesetz formuliert sein kann, welches die Verwaltung zum Handeln zwingt.

Denken in Prozessen bedeutet demnach, nicht in funktionalen Zuständigkeiten zu denken, sondern alle Tätigkeiten vom auslösenden Ereignis bis zum Ergebnis in seiner Gesamtheit zu betrachten und zu denken.



Patrick Roßkothen ist Experte für Prozess- und Wissensmanagement. Dieses Modul wurde zuletzt am 2026-02-21 aktualisiert.