Zum Inhalt springen

BPMN: Aufgaben und Teilprozesse

Dieses Modul beschreibt die Darstellung des “Was” in einem Prozessmodell durch Aktivitäten. Es definiert Tasks als atomare Einheiten und erläutert die Kapselung von Komplexität durch Teilprozesse sowie die Wiederverwendung mittels Aufrufaktivitäten.

Dieses Modul beantwortet folgende Fragen:

  • Wie werden Tätigkeiten in BPMN grafisch dargestellt?
  • Was ist der Unterschied zwischen einem Task und einem Teilprozess?
  • Wie genau bewegt sich eine Marke (Token) durch hierarchische Modelle?

Aktivitäten bilden den Kern eines jeden Prozessmodells. Sie geben an, welche Tätigkeiten ausgeführt werden und werden grundsätzlich als Rechtecke mit abgerundeten Ecken dargestellt. Wir unterscheiden zwischen atomaren Tasks (Aufgaben) und Teilprozessen.

Ein Task beschreibt eine atomare Tätigkeit, die im Prozess nicht weiter detailliert wird.

  • Sequenzfluss: Tasks haben immer genau einen eingehenden und einen ausgehenden Sequenzfluss. Verzweigungen oder Zusammenführungen werden ausschließlich über Gateways gelöst.
  • Namenskonvention (Objekt-Verrichtungsprinzip): Die Bezeichnung folgt der Formel Substantiv + Verb (z. B. “Antrag prüfen”). Das “-ung Verbot” untersagt Substantivierungen wie “Antragsprüfung”.

Teilprozesse (Sub-Processes) fassen mehrere Aufgaben zusammen. Sie helfen, Komplexität zu kapseln (“verstecken”) und Modelle übersichtlich zu halten (z. B. Details einer “Anspruchsprüfung”). Ein Plus-Zeichen im unteren Bereich markiert, dass sich hinter der Aktivität weitere Details verbergen.

Um die Wirkweise der Hierarchisierung zu verstehen, betrachten wir den Weg der Marke (Token) im Detail:

  1. Eintritt: Trifft die Marke auf einen Teilprozess, “fällt” sie von der Haupt-Ebene in die darunterliegende Ebene des Teilprozesses.
  2. Generierung: Sie wird am unbestimmten Startereignis des Teilprozesses neu generiert.
  3. Durchlauf: Sie durchläuft den detaillierten Detail-Prozess (die Kapsel) gemäß der dortigen Logik.
  4. Konsumtion: Am Endereignis des Teilprozesses wird die Marke konsumiert und an den darüberliegenden Prozess (die Haupt-Ebene) zurückgegeben.
  5. Fortsetzung: Der Prozess wird auf der Haupt-Ebene über den ausgehenden Sequenzfluss des Teilprozesses fortgesetzt.

Teilprozesse können selbst wieder Teilprozesse enthalten. Obwohl die BPMN hier keine technischen Grenzen setzt, sollte im Sinne der Übersichtlichkeit auf zu tiefe Verschachtelungen verzichtet werden.

  • Inline-Darstellung: Der Teilprozess wird als aufgeklappte “Kapsel” innerhalb des Hauptmodells dargestellt.
  • Separates Modell: Der Teilprozess liegt als eigenes Dokument vor und wird im Hauptmodell verlinkt.

Eine Aufrufaktivität ist ein global wiederverwendbarer Prozess (z. B. “Rechnung bezahlen”).

  • Funktion: Sie verweist nicht auf ein eingebettetes Detail, sondern auf einen zentral abgelegten Standardprozess, der von vielen verschiedenen Prozessen genutzt wird.
  • Vorteil: Zentrale Wartbarkeit – Änderungen am Standardprozess wirken sich sofort auf alle aufrufenden Prozesse aus.


Patrick Roßkothen ist Experte für Prozess- und Wissensmanagement. Dieses Modul wurde zuletzt am 2026-02-21 aktualisiert.